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Pro-Anorexie-Foren

 Magersucht-Verherrlichung, Selbstmord-Foren oder Anleitungen zum "Koma-Saufen": In jugendaffinen Online-Foren finden sich mehr und mehr Inhalte, die Essstörungen, Alkoholmissbrauch und Selbstverletzungen positiv darstellen und damit ein hohes Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche bergen.

Pro-Anorexie-Foren enthalten Texte, die ein extremes Schlankheitsideal, Magersucht und restriktives und bulimisches Essverhalten als erstrebenswert erscheinen lassen. Bei der Krankheit Anorexia nervosa handelt es sich um eine als psychologische Störung anerkannte Essstörung, die mit deutlichem Untergewicht, restriktivem Essverhalten und anderen Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung (z.B. Missbrauch von Abführmittel, exzessiver Sport) einhergeht. Dünn-Sein wird in den Foren als Weg zu Schönheit und Glück dargestellt und die überwiegend weiblichen Leserinnen zur ständigen Extrem-Diät ermuntert: „Nichts fühlt sich so schön an, wie dünn zu sein“ oder „Ana macht uns schön“ sind nur einige Einträge in die Gästebücher und Chats. Typische Elemente von „Pro-Ana-Foren“ sind die „Zehn Gebote“ oder „Anas Brief“, die Dünn-Sein mit Erfolg und Stärke gleichsetzen und die Krankheit Anorexie glorifizieren.

Im Diskussionsforum unterstützen sich die Online-Nutzer gegenseitig bei Diät-Versuchen und im Kampf gegen Heißhunger. Sie tauschen Informationen über den Erwerb und Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln wie Diät-Pulver, Anorektika (Appetitzügler) und Emetika (Brechmittel) aus und bestärken sich in ihrer positiven Einstellung zur Anorexie und Bulimie. In einem Beitrag unter dem Titel „Wann kotzen?“ werden beispielsweise Tipps gegeben, wie man nach einem Fressanfall am besten erbrechen könne: „[...] versuche während deines Fressanfalls soviel Wasser wie möglich zu trinken. [...] Dadurch flutschen die Fressalien während des Kotzens viel leichter raus, dadurch kotzt du dementsprechend auch viel mehr aus. [...]“

Im Gegensatz zu kritischen Internetseiten zum Thema Essstörung, die neben der Informationsvermittlung und psychologischen Beratung eine Hilfestellung für Betroffene bezwecken, verklären Pro-Ana-Foren Anorexie als Schönheits- und Verhaltensideal. Dass die Krankheit zu massiven psychischen wie gesundheitlichen Schädigungen bis hin zum Tod führen kann, verschweigen sie. Extremes Schlanksein, Magersucht und Bulimie werden über die Gesundheit gestellt. Wie insbesondere aus den Diskussionsforen und Gästebüchern ersichtlich wird, werden dabei vorrangig weibliche Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 25 Jahren angesprochen.

Gerade sie riskieren, ausgeprägte Essstörungen und eine problematische Einstellung dem eigenen Körper gegenüber zu entwickeln. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren befinden sich in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung noch in einem Reifeprozess, bei dem sich Wert- und Normvorstellungen ebenso wie ein Körperbild erst herausbilden. Auf der Suche nach Identifikationsmöglichkeiten, Verhaltens- und Lebensmodellen können Jugendliche durch ein extremes Schlankheitsideal zur Entwicklung einer Essstörung animiert oder bereits Betroffene weiter darin bestärkt werden.

Pro-Ana-Foren idealisieren eine jugendaffine psychische Störung, die zu massiven psychischen wie gesundheitlichen Schädigungen - bis hin zum Tode - führen kann. Sie können im Extremfall eine Jugendgefährdung durch eine sozial-ethische Desorientierung im Sinne einer Verzerrung der sittlichen Werturteile, einer negativen Beeinflussung des auszubildenden Körperbildes und eine Gefahr der körperlichen Schädigung darstellen.

Bei der Beurteilung von Pro-Anorexie-Foren muss immer zwischen den kollidierenden Grundrechten des Rechts der freien Meinungsäußerung und dem Jugendschutz abgewogen werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Grundgesetz mit dem Art. 5 Abs. 2 GG bestimmte Schrankenvorbehalte zugunsten des Jugendschutzes bereits eine erste Gewichtung vornimmt. Aufgrund der möglichen massiven psychischen und gesundheitlichen Schädigung ist bereits in mehreren Fällen festgestellt worden, dass die Belange des Jugendschutzes schwerer wiegen als das Recht auf freie Meinungsäußerung.

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